2025 Michelsberg (RO)
Bericht der Präsidentin
Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Delegierte unserer Mitgliedsvereine,
einigen von euch begegne ich dieses Jahr zum ersten Mal, mit anderen war es ein Wiedersehen nach kürzerer oder längerer Zeit. Und mit einigen von euch, den Kolleginnen und Kollegen des Präsidiums, habe ich regelmässig Kontakt, wir sehen uns an mindestens zwei Begegnungen im Jahr, seit Corona machen wir eine Sitzung im Frühling online, das spart Zeit und Geld. Und die Herbstsitzung findet jeweils anlässlich der Tagung oder der Mitgliederversammlung des Deutschen Pfarrer- und Pfarrerinnenverbands statt, zu der wir freundlicherweise immer eingeladen sind.
An dieser Stelle danke ich euch, liebe Kolleg/innen vom Präsidium für die vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit. Am schönsten ist es auf jeden Fall, wenn wir uns physisch treffen, wie zum Beispiel vor einem Jahr, als wir schon mal Michelsberg ausgekundschaftet haben, um die diesjährige Konferenz vorzubereiten.
Zwischen den Konferenzen erhalte ich viele Einladungen zu den Kursen und Tagungen unserer Mitgliedsvereine, die ich, wenn immer möglich, sehr gerne annehme.
So bin ich zum Beispiel regelmässig in Prag zu Gast, bei den Pfarrerinnen- und Pfarrertagen des rheinischen und des badischen Vereins und eben an den schon erwähnten Versammlungen des deutschen Verbandes.
Zwischen den Konferenzen bleibt es oft beim Kontakt per Mail oder Telefon, oder via Facebook.
Bis heute sind leider noch nicht viele meiner Einladung zu mir nach Hause an den schönen Thunersee gefolgt, die ich hiermit noch einmal ausdrücklich wiederhole. Ich meine es ernst.
An all unsere Begegnungen bin ich mit einem grossen Ohr unterwegs. Es interessiert mich, wie es euch Pfarrerinnen und Pfarrern in Europa geht. Es interessiert mich, mit welchen Themen ihr euch beschäftigt, was euch freut und was euch Kummer bereitet.
Dabei höre ich von den unterschiedlichsten kirchlichen und pfarramtlichen Realitäten, aber auch von vielen gemeinsamen Entwicklungen wie der fortgeschrittenen Entkirchlichung in vielen Ländern (auf jeden Fall im Westen Europas). Ich höre vom sich zuspitzenden Mangel an Pfarrpersonen oder - was damit zusammenhängt - von der Entstehung neuer kirchlicher Ämter und Dienste. Diese Entwicklungen fordern uns heraus, das Pfarramt neu zu schärfen und Zusammenarbeit zu entwickeln und zu pflegen. Wer macht was? Wo liegt die theologische Verantwortung? Von vielen liebgewordenen Dingen, von denen wir uns trennen müssen, haben wir diese Tage schon ausgiebig gesprochen.
Ich bin überzeugt, dass wir diesem Beruf nicht alleine nachgehen sollten, sondern im ständigen kollegialen Austausch, brüderlich und schwesterlich. Wie mein Co-Präsidentskollege beim Schweizerischen Pfarrverein zu sagen pflegt: «Chacun dans son coin (jeder in seiner Ecke) ist nicht gut».
Mein erster Gedanke beim Schreiben des Präsidiumsberichts: Dieses Hören und Wahrnehmen, ist das alles? Können wir nicht viel mehr tun? Konzepte entwickeln. Best practices teilen. Etwas machen!?
Nach unserer Konferenz auf dem Liebfrauenberg im Elsass vor drei Jahren haben einige Teilnehmer/innen die Initiative ergriffen und zu einem Onlinetreffen zum Thema Nachwuchsförderung eingeladen.
Das war sehr interessant und informativ. Vielleicht sollten wir so etwas öfters machen. Und vielleicht habt ihr ja dann weitere Anregungen und Ideen für Aktivitäten für zwischen den Konferenzen.
Leider müssen wir uns heute von zwei Kollegen aus dem Präsidium verabschieden. Andreas Kahnt geht nach 10 Jahren im Präsidium in den Ruhestand. Als Vorsitzender war er für uns die verlässliche Verbindung zum deutschen Verband, uns ein besonnener und zuverlässiger Gesprächspartner, der uns mit seiner Erfahrung oft weiterhelfen konnte. Und ein lieber Freund. Lieber Andreas, wir werden dich sehr vermissen!
Ebenfalls verabschieden müssen wir uns heute von Jan Buncak aus der Slowakei. Jan hat vor einiger Zeit Aufgaben im Bischofsamt in Bratislava übernommen, er hat immer weniger Zeit gefunden, im Präsidium der KEP mitzuwirken. Und deshalb kann er jetzt auch nicht an der Konferenz teilnehmen. Er hat uns diesen Frühling seinen Rücktritt bekanntgegeben.
Und wir schauen bereits wieder nach vorne. Ich freue mich über die Einladung zur nächsten Konferenz in 2028 nach Finnland.
Vor einer Woche haben wir Pfingsten gefeiert. Pfingsten fängt klein an. Während eines Treffens einiger Freundinnen und Freunde. Doch was daraus entsteht, ist beeindruckend. Personen, die eigentlich nicht miteinander reden können, weil sie aus den unterschiedlichsten Ecken der damaligen Welt stammen, können sich verständigen – genauer: sie hören in ihrer Muttersprache das Zeugnis von den grossen Taten Gottes.
Wenn wir jeweils radebrechen an unseren Konferenzen, manchmal mühsam Worte suchen. Wenn wir versuchen, uns verständlich zu machen, mit Händen und Füssen und allem, was uns zur Verfügung steht, dann ist für mich diese Erinnerung an das geistgewirkte Hören tröstlich und beflügelnd.
Herzlichen Dank für die offenen Ohren, die wir einander schenken!
Michelsberg, 17. Juni 2025

Verena Salvisberg, Präsidentin